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#23 [Journal] Published: 24.04.2026
Cover-Bild: Schweiz startet erste 'SWEETER'-Ausschreibung

Schweiz startet erste 'SWEETER'-Ausschreibung

Die Schweiz stellt 12 Millionen CHF für energie- und ressourceneffiziente Industrieprozesse bereit, inklusive Recycling von Solarmodulen und Batterien.

 

Die Schweiz lanciert die erste SWEETER-Ausschreibung: 12 Millionen Franken für energieeffiziente Industrieprozesse

Die Schweiz setzt ein starkes Zeichen für die Energiewende: Mit der ersten SWEETER-Ausschreibung stellen das Bundesamt für Energie (BFE) und das Bundesamt für Umwelt (BAFU) gemeinsam knapp 12 Millionen Schweizer Franken für innovative Industrieprojekte bereit, die Energie- und Ressourceneffizienz vorantreiben. Diese Initiative markiert einen wichtigen Meilenstein in der Schweizer Strategie für nachhaltige Industrieprozesse und Kreislaufwirtschaft.

SWEETER: Ein neues Kapitel der Schweizer Energiepolitik

Die Abkürzung SWEETER steht für «SWiss research for the EnErgy Transition and Emissions Reduction» und repräsentiert eine zukunftsweisende Förderinitiative des Bundesamts für Energie (BFE), die gemeinsam mit dem Bundesamt für Umwelt (BAFU) durchgeführt wird. Mit einem Volumen von knapp 12 Millionen CHF – vergeben über zwei Dreijahresperioden mit einer Zwischenevaluation – zielt das Programm darauf ab, Konsortialprojekte bei der Entwicklung und Implementierung energieeffizienter Industrieprozesse zu unterstützen.

Besonders bemerkenswert ist der Fokus auf das Recycling von Solarmodulen und Batterien – zwei Bereiche, die in den kommenden Jahren aufgrund der massiven Expansion erneuerbarer Energien an enormer Bedeutung gewinnen werden. Diese strategische Ausrichtung zeigt, dass die Schweiz nicht nur auf den Ausbau regenerativer Energien setzt, sondern bereits heute die Weichen für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft stellt.

Recycling als Schlüssel zur nachhaltigen Energiezukunft

Die Herausforderungen im Bereich des Recyclings von Solarmodulen und Batterien sind beträchtlich. Bis 2030 werden allein in Europa mehrere Millionen Tonnen ausgediente Photovoltaikmodule anfallen. Gleichzeitig steigt die Anzahl der Elektrofahrzeuge exponentiell, was zu einem entsprechenden Anstieg an Altbatterien führt.

Die SWEETER-Initiative erkennt diese Problematik und bietet konkrete Lösungsansätze. Gefördert werden Konsortialprojekte, die innovative Recyclingverfahren entwickeln oder bestehende Prozesse optimieren. Dabei stehen folgende Aspekte im Vordergrund:

  • Entwicklung effizienter Demontage- und Separationsverfahren für Solarmodule
  • Rückgewinnung wertvoller Materialien wie Silizium, Silber und Aluminium
  • Innovative Aufbereitungstechnologien für Lithium-Ionen-Batterien
  • Reduzierung des Energieaufwands in Recyclingprozessen
  • Minimierung von Abfallströmen und Umweltbelastungen

Industrielle Energieeffizienz im Fokus

Neben dem Recycling konzentriert sich SWEETER auf die Verbesserung der Energieeffizienz in industriellen Prozessen. Die Bereitstellung von Prozesswärme ist dabei besonders wichtig: Sie macht mehr als 55 % des gesamten Endenergieverbrauchs des Industriesektors aus. Zudem werden fast 50 % dieser Wärme noch immer mit fossilen Brennstoffen erzeugt, was etwa 15 % der nationalen CO₂-Emissionen entspricht.

Gefördert werden Projekte in verschiedenen Industriezweigen:

  •  Chemische Industrie: Optimierung von Syntheseprozessen und Wärmerückgewinnung
  •  Metallverarbeitung: Effizientere Schmelz- und Formgebungsverfahren
  •  Lebensmittelindustrie: Energiesparende Kühl- und Trocknungstechnologien
  •  Textilbranche: Reduktion des Energieverbrauchs in Färbe- und Veredelungsprozessen
  •  Papier- und Zellstoffindustrie: Optimierung der Dampferzeugung und -nutzung

Die Förderung umfasst sowohl die Entwicklung neuer Technologien als auch die Demonstration und Markteinführung bereits entwickelter Lösungen.

Bewerbungsverfahren und Auswahlkriterien

Die Bewerbungsfrist für die erste SWEETER-Ausschreibung läuft bis zum 30. Juni 2026. Antragsberechtigt sind ausschliesslich Konsortien – also Zusammenschlüsse aus Unternehmen, Forschungseinrichtungen und weiteren Akteuren. Neu können Konsortien auch von Unternehmen und nicht-akademischen Akteuren geleitet werden.

Das Verfahren ist zweistufig:

  1. Einreichung eines Pre-Proposals bis zum 30. Juni 2026
  2. Die beiden bestbewerteten Konsortien werden zur Ausarbeitung eines Full Proposals eingeladen und erhalten dafür eine finanzielle Unterstützung

Die Bewertung der Anträge erfolgt anhand klar definierter Kriterien:

  •  Technische Innovation: Neuheitsgrad und technische Machbarkeit der vorgeschlagenen Lösung
  •  Energieeffizienz: Quantifizierbarer Beitrag zur Reduktion des Energieverbrauchs
  •  Marktpotenzial: Kommerzielle Verwertbarkeit und Skalierungsmöglichkeiten
  •  Umweltauswirkungen: Positive Effekte auf Ressourcenschonung und CO₂-Reduktion
  •  Projektqualität: Realistische Zeitpläne, kompetente Teams und solide Finanzierung

Wirtschaftliche Chancen für Schweizer Unternehmen

Die SWEETER-Initiative bietet erhebliche wirtschaftliche Chancen. Der globale Markt für Recyclingtechnologien im Bereich erneuerbarer Energien wächst stark. Unternehmen, die heute innovative Lösungen entwickeln, können sich frühzeitig in diesem Wachstumsmarkt positionieren.

Darüber hinaus entstehen durch die Förderung energieeffizienter Industrieprozesse direkte Kosteneinsparungen für die teilnehmenden Unternehmen und Konsortien.

Internationale Vernetzung und Wissenstransfer

Ein wichtiger Aspekt der SWEETER-Initiative ist die Förderung internationaler Kooperationen. Viele der geförderten Projekte sollen in Zusammenarbeit mit Partnern aus der DACH-Region und anderen europäischen Ländern durchgeführt werden. Dies ermöglicht einen wertvollen Wissensaustausch und die Entwicklung grenzüberschreitender Lösungen.

Fazit: Handlungsempfehlungen für Unternehmen

Die erste SWEETER-Ausschreibung stellt eine wichtige Chance für Konsortien dar, innovative Projekte im Bereich Energie- und Ressourceneffizienz zu realisieren. Mit einer Bewerbungsfrist bis zum 30. Juni 2026 sollten interessierte Akteure zeitnah handeln.

Empfehlungen für eine erfolgreiche Bewerbung:

  •  Fokussieren Sie sich auf konkrete, messbare Verbesserungen der Energieeffizienz
  •  Entwickeln Sie realistische Businesspläne mit klaren Markteinführungsstrategien
  •  Suchen Sie frühzeitig nach geeigneten Kooperationspartnern für ein starkes Konsortium
  •  Dokumentieren Sie die Umweltauswirkungen Ihres Projekts quantitativ
  •  Planen Sie ausreichend Zeit für das zweistufige Bewerbungsverfahren ein

Die SWEETER-Initiative zeigt, dass die Schweiz die Energiewende nicht nur als technische Herausforderung, sondern als wirtschaftliche Chance begreift.

Weitere Informationen zur Ausschreibung finden Sie auf der offiziellen Webseite des Bundesamts für Energie: bfe.admin.ch