DataFleX: Was die Schweiz von diesem deutschen Forschungsprojekt lernen kann
In Deutschland läuft seit Oktober 2025 ein Forschungsprojekt, das für die Energiewende hierzulande hochrelevant sein dürfte: DataFleX erprobt, wie Elektrofahrzeuge, Wärmepumpen und PV-Heimspeicher künftig aktiv zur Stabilisierung des Stromnetzes beitragen können, und zwar auf marktbasierter Basis.
Was steckt hinter DataFleX?
DataFleX ist ein deutsches Konsortialforschungsprojekt mit einer Laufzeit von rund 16 Monaten. Die Kernfrage: Lassen sich Millionen kleiner, dezentraler Geräte in Privathaushalten (also E-Autos, Wärmepumpen und Heimspeicher) koordiniert als Flexibilitätsressource für das Stromnetz nutzen? In Deutschland nennt man diesen Ansatz Redispatch 3.0, also eine marktbasierte Ergänzung zum bisherigen, kostenbasierten Engpassmanagement.
Das Projekt wird vom deutschen Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz mit über 7 Millionen Franken aus EU-Mitteln gefördert und hat ein Gesamtvolumen von rund 12 Millionen Euro. Es handelt sich ausdrücklich um Forschung und Pilotbetrieb, noch kein kommerziell verfügbares System.
Wer ist beteiligt?
Das Konsortium vereint Netzbetreiber, Aggregatoren und Wissenschaft:
- Übertragungsnetzbetreiber: TenneT Germany und TransnetBW; der Pilotbetrieb findet in deren deutschen Regelzonen statt
- Verteilnetzbetreiber: Avacon Netz
- Aggregatoren: Octopus Energy, MVV Energie/beegy sowie OLI Systems/enorin
- Wissenschaft: Mehrere Fraunhofer-Institute und die Forschungsstelle für Energiewirtschaft (FfE)
Der technische Ansatz: Datensilos aufbrechen
Was DataFleX besonders interessant macht, ist der Fokus auf Interoperabilität. Bisher existieren die Datenwelten von Energie-, Verkehrs- und Wärmesektor weitgehend getrennt. DataFleX verbindet sie erstmals systematisch über standardisierte Datenräume wie Catena-X (Automobil/Verkehr) und energy data-X (Energie). Flexibilitätsdaten aus E-Autos, Wärmepumpen und Heimspeichern werden so standardisiert und nahezu in Echtzeit verfügbar, sodass Netzbetreiber Engpässe marktbasiert beheben können.
Im Pilotbetrieb sollen über 5.000 dezentrale Assets mit mehr als einem Megawatt kumulierter Leistung getestet werden, laut Konsortium der bisher grösste Versuch dieser Art in Deutschland.
Warum sollte das die Schweiz interessieren?
Die Herausforderungen sind diesseits und jenseits des Rheins dieselben: Der Ausbau erneuerbarer Energien schreitet voran, die Zahl der E-Autos und Wärmepumpen wächst, und das Stromnetz muss mit immer mehr dezentralen Einspeisern und flexiblen Verbrauchern umgehen. Die Schweiz ist zudem über das europäische Verbundnetz direkt mit dem deutschen System verknüpft, was dort passiert, wirkt sich auch hier aus.
Swissgrid, die Schweizer Übertragungsnetzbetreiberin, beschäftigt sich ebenfalls mit dezentraler Flexibilität. Die konkreten Erkenntnisse, die DataFleX bis Ende 2026 liefern wird, zu Dateninfrastruktur, Marktdesign und technischer Integration, dürften dabei wertvolle Referenzpunkte sein.
Was bedeutet das für Schweizer Haushalte?
Direkt teilnehmen kann man an DataFleX als Privatperson nicht, es ist ein deutsches Forschungsprojekt. Konkrete Erlösversprechen für Endkunden gibt es aus dem Projekt noch keine. Was sich aber abzeichnet: Wer heute in E-Auto, Wärmepumpe und Heimspeicher investiert, legt technisch die Grundlage für eine mögliche spätere Teilnahme an Flexibilitätsmärkten, sobald der regulatorische Rahmen auch in der Schweiz dafür steht.
Fazit
DataFleX ist kein Schweizer Projekt, aber eines, das man hier aufmerksam verfolgen sollte. Wenn es gelingt, die technischen und marktlichen Konzepte für Redispatch 3.0 im deutschen Pilotbetrieb zu validieren, liefert das eine belastbare Blaupause auch für die Schweizer Energiewende. Die Ergebnisse werden voraussichtlich Ende 2026 vorliegen.