TE4  –  Fragen und Antworten


Fragen und Antworten zu Energiethemen

Dieser Beitrag darf – mit Quellenangabe – gerne zitiert werden.

Januar 2010
Frage:
Welche Schlüsse lassen sich aus Sicht eines Energie-Ingenieurs aus der Studie zu den Basler Geothermie-Erdbeben ziehen?

Antworten:
a)
So genannte induzierte Erdbeben (Begriff nebenstehend erklärt) wären weiterhin zu erwarten.
b) Zum Auslösen so genannter getriggerter Erdbeben (Begriff nebenstehend erklärt) ist das Basler Projekt zu klein.
c)
Eine Extrapolation der Aussagen auf andere Standorte oder wesentlich größere Projekte ist nicht ohne Weiteres möglich.

Für Nicht-Basler: Es geht um Erdbeben, die in der Vorbereitungsphase eines "Deep-Heat-Mining"-Projektes durch das Einpressen des Wassers in die Bohrungen verursacht wurden. Sie führten zu kleineren Sachschäden, zu einer einstweiligen (und nun vermutlich definitiven) Sistierung des Projektes – und zu einer Risikostudie [1], die in der Kurzfassung nun veröffentlicht wurde.

In meinem Buch [2] hatte ich – noch kurz bevor in Basel die ersten Erdbeben auftraten – geschrieben:
Ein gewisser Einfluss des Deep-Heat-Mining auf Erdbeben- oder Vulkangebiete wäre vorstellbar; Untersuchungen darüber sind nicht bekannt.

Die Studie [1] liefert nun, zusätzlich zu den Entscheidungsgrundlagen für die Weiterführung oder das Stoppen des Projektes, einen wertvollen Beitrag zu einer Vertiefung des Wissens.

Es waren "induzierte" Beben

Unter "induzierten" Beben versteht man Beben, bei denen direkt durch die menschliche Aktivität (in diesem Fall das Einpressen des Wassers) Spannungen im Untergrund verursacht werden, die sich dann entladen. 

Bei den im Dezember 2006 aufgetretenen Beben handelt es sich um solche induzierten Beben. Sie wären gemäß Studie bei der Fertigstellung und im Betrieb des geplanten Geothemiekraftwerkes weiterhin zu erwarten, zum Teil sogar in etwas höherer Stärke.

Nur ein kleines Kitzeln: "Getriggerte" Beben

Es stellt sich die Frage, ob das Geothermieprojekt auch das Eintreten eines natürlichen Erdbebens beeinflussen könnte, wie man es in Basel anno 1356 registrierte.

Dieses Phänomen würde man als "getriggertes" Erdbeben bezeichnen: Die natürlicherweise vorhandenen Spannungen im Untergrund werden durch den menschlichen Eingriff zur Auslösung gebracht, ähnlich wie beim Auslösen eines Katapultes oder eines Gewehrabzugs.

Schlimmstenfalls könnte dabei ein kleiner Eingriff eine verheerende Wirkung haben. Andererseits wäre es auch denkbar, dass durch den Eingriff wiederholt kleinere Erdbeben ausgelöst würden, was durch den Abbau der Spannungen später ein katastrophales natürliches Beben verhindern könnte.

Die Studie kommt zum Schluss, dass der menschliche Eingriff beim vorliegenden Geothermieprojekt zu klein ist, um diesbezüglich eine Wirkung zu zeigen, sei es im einen oder im anderen Sinn. Wir "kitzeln" dabei den Untergrund höchstens ein bisschen, und extrem kitzlig scheint er nicht zu sein...

Die Grenzen der Studie

Man sollte sich daran erinnern: Ein Basler Nationalrat und Politikwissenschafter hatte vor den Erdbeben eine Vision entwickelt, wie die schweizerischen Kernkraftwerke vollständig durch Geothermie-Kraftwerke ersetzt werden könnten, was etwa der 500-fachen elektrischen Leistung des Basler Projekts entspricht. Dazu müsste man dem Untergrund der gesamten Schweiz eine Wärmeleistung entsprechend etwa dem Dreifachen des natürlichen geothermischen Wärmeflusses(!) entziehen. Auf die Frage, wie sich Eingriffe dieser Größenordnung geologisch auswirken, gibt die Studie keinerlei Antwort.

[1]
"Deep Heat Mining Basel – Seismic Risk Analysis / Seismische Risikoanalyse / Analyse du risque sismique" (Stefan Baisch et al.),
Departement für Wirtschaft, Soziales und Umwelt des Kantons Basel-Stadt / Amt für Umwelt und Energie,
Kurzfassung 30. November 2009

[2]
"Geografie der erneuerbaren Energien", Energie-Atlas GmbH, 2006