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Religion und Toleranz
Als Konsequenz aus dem Ausgang der Abstimmung über ein
Verbot von Minaretten bei uns in der Schweiz bin ich aus der evangelisch
reformierten Kirche ausgetreten.
Nachstehend mein Brief an die Kirchenverwaltung meines Wohnkantons.
Kirchenaustritt anlässlich der Annahme der
"Minarett-Initiative"
Sehr geehrte Damen und Herren
Es ist anzunehmen, dass ich nicht der einzige bin, der vom Ausgang der
heutigen Abstimmung über die Minarett-Initiative enttäuscht ist. Ich nehme
aber an, dass relativ wenige aus dieser Enttäuschung auch Konsequenzen
ziehen, und noch weniger werden dies auf die Art tun, die ich Ihnen hiermit
mitteile. Ich werde nämlich aus der evangelisch-reformierten Kirche
austreten. Dies aus folgenden Überlegungen:
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Ich kann es mit meinem Gewissen nicht
vereinbaren, einer Religionsgemeinschaft anzugehören, wenn diese
Gemeinschaften einander nicht gegenseitig in vollem Umfang akzeptieren
und tolerieren können.
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Ich bin der Meinung, die Kirche als
Institution habe zu wenig getan, um den diskriminierenden Ausgang der
Abstimmung zu verhindern. Zwar gab es eine offizielle Stellungnahme
gegen die Initiative. Das Abstimmungsresultat zeigt aber, dass die
Argumente bei der Basis – bei vielen Kirchenmitgliedern, und
wahrscheinlich sogar bei manchen Pfarrerinnen und Pfarrern – nicht
angekommen sind. Nicht weil sie schlecht gewesen wären, sondern weil
sie zu wenig aktiv diskutiert wurden.
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Mein persönlicher Entscheid steht fest. Dagegen
habe ich die Hoffnung, dass jemand – zum Beispiel die Kirche – die Umsetzung
der neuen Verfassungsbestimmung anfechten wird. Denn sie widerspricht meines
Erachtens ganz klar der Religionsfreiheit, die in unserer eigenen,
schweizerischen Bundesverfassung verankert ist.
Möge das folgende Zitat von Erich Kästner am Schluss stehen: "An
jedem Unfug, der geschieht, sind nicht nur die schuld, die ihn begehen,
sondern auch diejenigen, die ihn nicht verhindern."
Mit freundlichen Grüßen
Max Blatter
Siehe dazu auch:
→Minarette und
Atomkraftwerke – Toleranz oder Angst
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