Max Blatter  –  Die persönliche Ecke


Religion und Toleranz

Als Konsequenz aus dem Ausgang der Abstimmung über ein Verbot von Minaretten bei uns in der Schweiz bin ich aus der evangelisch reformierten Kirche ausgetreten.
Nachstehend mein Brief an die Kirchenverwaltung meines Wohnkantons.

Kirchenaustritt anlässlich der Annahme der "Minarett-Initiative"

Sehr geehrte Damen und Herren

Es ist anzunehmen, dass ich nicht der einzige bin, der vom Ausgang der heutigen Abstimmung über die Minarett-Initiative enttäuscht ist. Ich nehme aber an, dass relativ wenige aus dieser Enttäuschung auch Konsequenzen ziehen, und noch weniger werden dies auf die Art tun, die ich Ihnen hiermit mitteile. Ich werde nämlich aus der evangelisch-reformierten Kirche austreten. Dies aus folgenden Überlegungen:

  • Ich kann es mit meinem Gewissen nicht vereinbaren, einer Religionsgemeinschaft anzugehören, wenn diese Gemeinschaften einander nicht gegenseitig in vollem Umfang akzeptieren und tolerieren können.
     

  • Ich bin der Meinung, die Kirche als Institution habe zu wenig getan, um den diskriminierenden Ausgang der Abstimmung zu verhindern. Zwar gab es eine offizielle Stellungnahme gegen die Initiative. Das Abstimmungsresultat zeigt aber, dass die Argumente bei der Basis – bei vielen Kirchenmitgliedern, und wahrscheinlich sogar bei manchen Pfarrerinnen und Pfarrern – nicht angekommen sind. Nicht weil sie schlecht gewesen wären, sondern weil sie zu wenig aktiv diskutiert wurden.

Mein persönlicher Entscheid steht fest. Dagegen habe ich die Hoffnung, dass jemand – zum Beispiel die Kirche – die Umsetzung der neuen Verfassungsbestimmung anfechten wird. Denn sie widerspricht meines Erachtens ganz klar der Religionsfreiheit, die in unserer eigenen, schweizerischen Bundesverfassung verankert ist.

Möge das folgende Zitat von Erich Kästner am Schluss stehen: "An jedem Unfug, der geschieht, sind nicht nur die schuld, die ihn begehen, sondern auch diejenigen, die ihn nicht verhindern."

Mit freundlichen Grüßen
Max Blatter


Siehe dazu auch:
Minarette und Atomkraftwerke – Toleranz oder Angst