Max Blatter – Die persönliche Ecke
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"Global denken, lokal handeln": Warum der Slogan zu kurz greift Der beliebte, in seinem Ursprung aber unklare Slogan "global denken, lokal handeln" hat zahlreiche Menschen geleitet, die um die Zukunft unseres blauen Planeten besorgt waren und sind. Doch er birgt die Gefahr von Missverständnissen. Ursprung des Slogans im Dunkeln Der Satz "think global(ly), act local(ly)" wird dem schottischen Biologen und Städteplaner Patrick Geddes (1854–1932) zugeschrieben, allerdings ohne es anhand seiner Publikationen belegen zu können. Auch der erstmalige Gebrauch im Sinne des Umweltschutzes ist umstritten, wird aber zwischen Ende 1960er und Anfang 1970er Jahre datiert. [1] |
Global ist nicht das Denken, sondern die Wahrnehmung Ein kräftiges Symbol für die Anliegen des Umweltschutzes war seit dessen Anfängen das Bild des "blauen Planeten". Es hat seinen Ursprung in den Ansichten der Erde vom Mond-Orbit aus, wie die Apollo-Missionen der NASA von Apollo 8 (Dezember 1968) bis Apollo 17 (Dezember 1972) sie ermöglicht hatten: Die Astronauten dieser Flüge waren bis heute die einzigen Menschen, welche die Erde wirklich "global", als im Raum schwebende Kugel, gesehen haben. (Der Anblick von einem Raumschiff auf Erdumlaufbahn reicht dazu nicht aus!) Was so initiiert wurde, ist also zunächst eine neue Wahrnehmung der Erde. Das Denken wird dadurch nicht direkt beeinflusst; vielmehr geht es um ein allgemeines Bewusstsein von der Erde als einem Objekt – vielleicht sogar Subjekt – zu dem es Sorge zu tragen gilt. Dogmatisches Denken als Gefahr Wenn man von "globalem Denken" spricht, besteht die Gefahr, dass daraus ein dogmatisches Denken wird. Sprich: Es werden eine Art Glaubenssätze etabliert, meistens in dem Sinne, dass gewisse Dinge a priori "schlecht" sind (wie Gentechnologie oder Kernenergie). Das lokale Handeln besteht dann nur noch darin, dass sich "Bürgerinitiativen" bilden, die solche Dogmen mehr oder weniger sklavisch in die Politik einbringen wollen. Das kann und darf mit dem Slogan nicht gemeint sein! |
Global sehen, flexibel denken, lokal handeln Ich sehe das Denken vielmehr als ein flexibles Bindeglied zwischen der globalen Wahrnehmung und dem lokalen Handeln. Auf der einen Seite also, wie wir gesehen haben, die globale Sorge um den blauen Planeten. Auf der andern Seite die Anerkennung der lokalen Gegebenheiten: der geografischen und soziologischen Besonderheiten, aber auch der individuellen Fähigkeiten und Vorlieben. Und dazwischen: ein Denken, das die beiden Dinge in kreativer Weise miteinander verbindet. In diesem Denkmodell haben die verschiedensten handelnden Menschen Platz: vom konsequent biologisch wirtschaftenden Bauern bis zur Molekularbiologin, die an einer verantwortbaren Form der Gentechnologie arbeitet; von der Ingenieurin, die Windturbinen entwickelt, bis zum Kernphysiker, der sich mit inhärent sicheren Reaktoren befasst. Damit die Menschheit auf dem blauen Planeten eine lebenswerte Zukunft hat, braucht es ein möglichst vielfältiges Denken! [1] Englische Wikipedia, |