Max Blatter  –  Die persönliche Ecke


Geld hat zu dienen,
nicht zu regieren

Materieller Wohlstand ist nichts Schlechtes. Er darf aber nicht mit rein monetärem Wohlstand verwechselt werden.

Geld regiert ... die Presse

Als ich diese Zeilen im Herbst 2008 schrieb, schien Geld nicht nur die Welt, sondern vor allem die Presse zu regieren. Dazu noch im negativen Sinn: Von den Milliardenverlusten (unglücklich oder leichtfertig?) waren wir nun beim Knatsch zwischen Banken und Steuerbehörden angelangt (Steueroptimierung, Hinterziehung oder Betrug?).

Inzwischen scheint die Finanzwelt doch auf dem Weg der Genesung zu sein. Das ändert allerdings nichts daran, dass für mich Franken, Euro, Dollar und Yen kein Maß für den Wohlstand und die Innovationskraft einer Gesellschaft sein können.

Wohlstand durch innovative Strukturen

Für materiellen Wohlstand stehen vielleicht: Kubikmeter sinnvoll umbauten Raumes, Kilowattstunden nachhaltig verfügbarer Energie, Megabyte pro Sekunde nutzbarer Datenübertragungskanäle, und was dergleichen handfester Dinge mehr sind. Also Maße für Strukturen, die Träger menschlichen und gesellschaftlichen Lebens sind – für materielle Grundlagen, die weit über das rein Materielle hinausweisen.

Aufgaben lösen statt Macht ausüben

Die oben skizzierten Lebensstrukturen auf intelligente Weise zu schaffen und zu unterhalten – das ist eine der wichtigsten und edelsten Aufgaben von Wirtschaft und Politik. Es sollte in unserer Demokratie selbstverständlich sein, dass alle ihre Fähigkeiten für die Lösung anstehender Aufgaben einsetzen. Machtkämpfe zwischen Wirtschaft, Politik und Justiz sind gewiss nicht zielführend.

Geld dient ... dem Fortschritt

Insofern müssen auch die Vertreter und Vertreterinnen des Geldes – die Banker, die Investoren – sich in erster Linie als Diener sehen. Sie ermöglichen es erst, die anstehenden Aufgaben zu erfüllen. Sie tragen die Hauptverantwortung dafür, dass die Geldflüsse in genügender Stärke überall dort vorhanden sind, wo sie gebraucht werden. Mit passivem Zuschauen, was "die Märkte bringen", hat dies wenig zu tun.

Vielleicht müssten künftig in den Chefetagen der Banken weniger reine Finanzfachleute sitzen, als vielmehr ausgewiesene Kennerinnen und Kenner der verschiedensten Branchen der Realwirtschaft!

Dieser auf dem Internet entdeckte Witz passt dazu:
Der Manager und die Ingenieurin

Ein Ballonfahrer hat sich verirrt. Da sichtet er eine Frau am Boden. Er lässt den Ballon absinken und ruft:
“Entschuldigung, können Sie mir helfen? Ich habe einem Freund versprochen, ihn vor einer Stunde zu treffen und ich weiß nicht wo ich bin.”
Die Frau am Boden antwortet:
“Sie sind in einem Heißluftballon in ungefähr 10 m Höhe über Grund. Sie befinden sich zwischen 40 und 41 Grad nördlicher Breite und zwischen 59 und 60 Grad westlicher Länge.”
“Sie müssen Ingenieurin sein”, sagt der Ballonfahrer.
“Bin ich”, antwortet die Frau, “woher wussten Sie das?”
“Nun”, sagt der Ballonfahrer, “alles, was Sie mir sagten, ist technisch korrekt, aber ich habe keine Ahnung, was ich mit Ihren Informationen anfangen soll. Offen gesagt waren Sie keine große Hilfe.
Fakt ist, dass ich immer noch nicht weiß, wo ich bin. Sie haben höchstens meine Reise noch weiter verzögert.”
Die Frau antwortet: “Sie müssen im Management tätig sein.”
“Ja”, antwortet der Ballonfahrer, “aber woher wussten Sie das?”
“Nun”, sagt die Frau, “Sie wissen weder, wo Sie sind noch wohin Sie fahren. Sie sind aufgrund einer Menge heißer Luft in Ihre jetzige Position gekommen. Sie haben ein Versprechen gemacht, das Sie nicht einhalten können, und erwarten von den Leuten unter Ihnen, dass sie Ihre Probleme lösen.
Tatsache ist, dass Sie in der gleichen Lage sind wie vor unserem Treffen, aber jetzt geben Sie mir die Schuld!”