Max Blatter – Bezug zum Schreiben
|
Sprache als Dienerin der Technik Für diesen Titel werden Philologen mich hassen: Etwas so Heiliges wie die Sprache als Dienerin der profanen Technik! Ich kann Sie beruhigen: Ich schätze auch die poetische Seite der Sprache. Allerdings habe ich selbst zwar die Fähigkeit, Poesie zu genießen, nicht aber sie zu schaffen. Was ich aber kann, und da habe ich vielen Ingenieuren etwas voraus: technische Zusammenhänge in verständlichen und (zumindest im Deutschen) sprachlich korrekten Sätzen beschreiben. Ich halte das für etwas sehr Wichtiges, auf das in der Ingenieurausbildung viel mehr Wert gelegt werden sollte, denn nur so kann der technische Fortschritt in der breiten Bevölkerung wirklich verankert werden. Die Sprache von den Eltern ... In Sachen Sprache konnte ich davon profitieren, dass beide Elternteile den Umgang mit ihr zum Beruf gemacht hatten: Der Vater als langjähriger Redaktor beim Schweizer Radio, die Mutter als freischaffende Autorin von Hörfolgen und später als Zeitschriftenredaktorin. |
... die Technik aus mir selbst Da ich schon als Kind über das durchschnittliche Maß hinaus an Technik – insbesondere Elektronik – interessiert war, war die Kombination beider Dinge vorprogrammiert. Beim Ingenieurstudium trat natürlich der technische Teil in den Vordergrund. Bei den Studienarbeiten ertappte ich mich aber dabei, dass ich mir schon ganz am Anfang den Aufbau und gar schon einige Formulierungen des Schlussberichtes im Kopf zurechtzulegen begann. Der belauschte Fachverleger... Während meiner Assistentenzeit an der ETH Zürich wurde ich anfangs der 1980er-Jahre in einem Restaurant Zeuge eines Gesprächs zwischen zwei Männern, von denen einer offensichtlich Herausgeber einer technischen Fachzeitschrift war. Er verglich die Tätigkeit des Fachjournalisten mit dem Besteigen eines Berges: Man müsse zunächst die Sache, über die man schreibe, selber vollständig verstehen. Dann sei man auf dem Gipfel des Berges. Das sei aber erst die Hälfte der Arbeit, denn jetzt müsse man auf der andern Seite heruntersteigen. Sprich: die Sache auch für diejenigen verständlich machen, die den Berg selbst nicht bestiegen haben. Erst wenn man so gleichsam wieder im Tal angekommen sei, sei die journalistische Arbeit abgeschlossen. |
... und die Früchte des Lauschens Ich fand dies eine sehr treffende Metapher. Sie muss bei mir auf fruchtbaren Boden gefallen sein, denn kurz danach holte ich für unser kleines ETH-Forschungsteam einen Preis für die publikumswirksame Projektpräsentation. – Sollte der Fachverleger diese Zeilen lesen: Nachträglich vielen Dank für die ungewollte Anregung! |